Der ordentliche Turntag, also gewissermaßen die Hauptversammlung des Turngau Hohenlohe fand in diesem Jahr in Vorbachzimmern statt. Erstmals in dieser Funktion begrüßte Turngaupräsident Achim Beck die Vertreter der 136 Mitgliedsvereine, die Repräsentanten der Sportkreise Mergentheim und Hohenlohe, den Präsidenten des Schwäbischen Turnerbundes, den Ortsvorsteher, den Vorsitzenden des TSV Vorbachzimmern als Ausrichter und schließlich die Ehrenmitglieder Christel Kantenwein und Klaus Mäder. Auch über die Anwesenheit von Dr. Friedrich Bullinger, seinen Vorgänger im Amt und jetzigen Ehrenpräsidenten durfte er sich freuen.
Das erste Grußwort blieb Ortsvorsteher Gerhard Hauf vorbehalten. Der fasste sich kurz und stellte im Wesentlichen klar, dass der im Jahr 1964 gegründete TSV aus dem Ortsbild von Vorbachzimmern nicht mehr wegzudenken sei. Auch der Vorsitzende des Sportkreises Mergentheim Volker Silberzahn, der zugleich für die Sportkreise Schwäbisch Hall und Hohenlohe, dieser vertreten durch den stellvertretenden Vorsitzenden Axel Hermann sprach, freute sich über denn regen Verein im Vorbachtal und dessen vielfältige Aktivitäten.
Der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, Markus Frank, übernahm nun die Ehrung verdienter Turngaumitarbeiter. Die Schiedsrichterauszeichnung des Schwäbischen Turnerbundes für über 40-jährige Tätigkeit als Schiedsrichter ging an Wolfgang Baumgartner. Als alten Faustballer und Schiedsrichter mit A-Lizenz kenne man ihn, aber auch von vielen Schwäbischen und Deutschen Turnfesten. Baumgartner ist auch Mitglied der Gauehrenriege.
Die Ehrennadel des Schwäbischen Turnerbundes in Gold durfte Frank Jochen Eidel anstecken. Als Lagerleiter von Schülerzeltlagern, Eidel in Hohenlohe und Frank in Ulm, kenne man sich schon lange. Aber Eidel war auch lange Zeit ein sehr erfolgreicher Schülermehrkämpfer im Turnen. Viele Jahre ist er nun auch schon im Hauptausschuss des Turngau als Beisitzer tätig.
Die Ehrennadel des deutschen Turnerbundes wurde Kurt Bauer überreicht. Diese Auszeichnung habe er selten in der Hand, merkte Frank an. Bauer ist seit 50 Jahren beim Musikzug des TSV Sulzdorf, davon seit 15 Jahren dessen Vorsitzender. Acht Jahre lang war er auch Fachwart für die Musikzüge im Hauptausschuss des TSV Hohenlohe.
Liliane Ossig, als Vizepräsidentin im Turngau für den Wettkampfsport zuständig, ehrte nun die erfolgreichen Teilnehmer an bundesweiten Wettkämpfen. Den Anfang machen die Rope-Skipperinnen des TSV Künzelsau Selina Ganzera, Andrea Kress und Sarah Fuchs, die von Janina Böhringer trainiert werden. Sie hatten in verschiedenen Disziplinen beim Bundesfinale und bei den Deutschen Meisterschaften teilgenommen.
Auch Dance gehört zum Turngau. Hier wurden die Formationen „The final Movement“ vom TSV Niedernhall und „Out of Control“ vom TSV Ingelfingen für die Plätze 14 und fünf beim Deutschlandcup ausgezeichnet.
Dann waren die Turner an der Reihe. Laurin Götz vom TSV Künzelsau hatte beim Deutschlandcup Geräteturnen in Leipzig in der Leistungsklasse zwei in seiner Altersklasse den zweiten Platz belegt.
Von der TSG Öhringen unter Trainer Peter Onisk kamen die nächsten drei Athleten. Sie waren ebenfalls beim Deutschlandcup angetreten. Madz Gseller belegte in der AK 16/17. im Mehrkampf den zwölften Platz. In der gleichen Altersklasse hatte sich Moritz Federolf auf den ersten Platz geturnt. Ebenfalls einen Ersten Platz belegte Luis Derr beim Geräteturnen der AK 14/15.
Nun trat erneut der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, kurz STB ans Mikrofon für sein Grußwort. Sein Verband umfasse 1750 Mitgliedsvereine. Er wünschte sich, dass man den STB nicht als „die in Stuttgart“ sehe, sondern man sich selbst als teil des Ganzen. Schließlich sei auch er Mitglied zum Beispiel im TSV Markelsheim. Viele schöne Erlebnisse habe es 2025 gegeben, wie das Deutsche Turnfest in Leipzig oder das Landeskinderturnfest in Ravensburg. Er bedankte sich ausdrücklich bei den unzähligen Übungsleitern, die sich der Verantwortung in den Vereinen stellten und mit ihrer Arbeit solche Erlebnisse erst möglich machten.
Aber auch Schattenseiten gab es. Hier vor allem der Skandal um die Missbrauchsvorwürfe, der im Frühjahr einen wahren Shitstorm und ein sehr großes mediales Echo auslösten. Er legte dar, wann wie der Verband reagiert hätte. Oft sei man wegen später Stellungnahmen kritisiert worden. Allerdings müsse man auch sehen, in welcher Situation man sich wiederfand. Die Staatsanwaltschaft hatte viele Rechner konfisziert und neben dem medialen Echo mussten beispielsweise auch die Befragung im Sportausschuss des Landtages gemeistert werden. Bis heute sei aber noch kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt worden. Inzwischen sei dem STB auch von ehemals sehr kritischen Akteuren bescheinigt worden, frühzeitig und gut reagiert zu haben. Nichtsdestotrotz werde er sich nach Abschluss des Verfahrens den Betroffenen und Geschädigten stellen und diese um Entschuldigung bitten. Wichtig sei ihm, dass nicht am Ende ein Generalverdacht gegen alle Übungsleiter stehen bleibe. Klar sei aber auch, dass Leistungssport auf höchsten Niveau kein Zuckerschlecken sei, man da Kritik und harte Arbeit aushalten müsse und nicht jede klare Ansage ein Missbrauch sei, der einen Anwaltsbesuch nach sich ziehen könne.
Schließlich machte Frank Werbung dafür, die Mitgliedsbeiträge angemessen zu gestalten. Als Negativbeispiele nannte er den TSV Vorbachzimmern, bei dem Kinder lediglich zwölf Euro pro Jahr zahlten. Auch bei 48 Euro pro Jahr wären das unter Berücksichtigung von Ferien rund ein Euro pro Woche. Dafür erwarte man eine beheizte Halle, saubere Duschen, Trainer, Betreuer und so weiter.
Hintergrund dieses Aufrufs war auch die Tatsache, dass der STB selbst mehr Geld braucht, unter anderem für die Anwaltskosten wegen des oben schon genannten Verfahrens.
Nach diesem emotionalen Statement stand der Bericht des Turngaupräsidenten auf dem Programm. Es war sein erster in dieser Funktion. Rückblickend schilderte er nochmal humorvoll, wie er durch seinen Vorgänger Dr. Bullinger überzeugt wurde, das Amt zu übernehmen. Ein paar Sitzungen leiten und beim Turntag des Schwäbischen Turnerbundes die Stimmkarte heben, so einfach sollte es sein. Und dann kam gleich bei besagtem Turntag die Abstimmung darüber, als Turngau auf Zuschüsse des Dachverbandes zu verzichten. Aber es sei auch ein abwechslungsreiches Jahr gewesen verbunden mit tiefen Einblicken in die Sportkreise und Vereine. Ein besonderes Ereignis sei auch der Zukunftsworkshop gewesen, die Begeisterung der jungen Leute und die Ergebnisse, die unter anderem Flyer und Social Media-Aktionen mit sich brachten für die Daueraufgabe der Nachwuchsgewinnung.
Bei Kreiskinderturnfesten und dem Hohenloher Jugendturnfest in Gaildorf durfte er sich neben den Leistungen der jungen Teilnehmer von der Arbeit der Übungsleiter und Betreuer überzeugen. Für die werde es immer schwieriger, die Kinder zu begeistern und für die Teilnahme an den Wettkämpfen zu motivieren.
Gute Nachrichten hatte er für die Kinder im Turngau. 2026 soll wieder ein Zeltlager in Ernsbach stattfinden. 60 Kinder haben die Möglichkeit an dem acht Tage dauernden Event teilzunehmen.
Für verdiente und betagte Sportlerinnen und Mitarbeiter aus den Reihen der Vereine gibt es die Gauehrenriege. Um da hineinzukommen muss man von seinem Verein vorgeschlagen werden. Die Gauehrenriege trifft sich zu gemeinschaftlichen Unternehmungen. Christel Kantenwein, eine der Betreuerinnen der Riege machte Werbung bei den Vereinen, neue Mitglieder vorzuschlagen. Achim Beck stellte in Aussicht, das Konzept um die Gauehrenriege überarbeiten zu wollen.
Es folgte der Bericht über die Finanzen, den der stellvertretende Turngaupräsident Erwin Bergmann für den verhinderten Thomas Ciupke vorstellte. Er legte detailliert die Einnahmen, Ausgaben und die aktuelle Kassenlage dar, die einen wirtschaftlich sehr gut aufgestellten Verband skizzierte. Nachdem auch die Kassenprüfer nichts zu bemängeln hatten, erfolgte die Aussprache zu den Berichten. Hier wurde etwas Unmut über die geforderten Beitragsanpassungen geäußert. Im Großen und ganzen schien man aber durchaus zufrieden mit der Arbeit der Gremien gewesen zu sein, denn die anschließende Entlastung erfolgte einstimmig. Die Entlastung wurden durch Steffen Reißenweber, den ersten Vorsitzenden des TSV Vorbachzimmern vorgenommen. Bei der Gelegenheit stellte er seinen Verein vor. 430 Mitglieder in einem Dorf mit 450 Einwohnern, zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen auch im gesellschaftlichen Bereich um die Beiträge sozialverträglich halten zu können, sehr gut laufende Kooperation mit den städtischen Kindergarten waren einige der Highlights. Wichtig war ihm auch festzustellen, dass alle Sportgeräte in der Halle dem TSV gehören und von diesem auch finanziert und angeschafft wurden, trotz der zuvor bemängelten niedrigen Beiträge und Dank zahlreicher ehrenamtlich Tätiger.
Nachdem die Vorstandschaft entlastet wurde, standen die Wahlen auf dem Programm. Im Hauptausschuss wurden Erwin Bergmann als Vizepräsident mit Zuständigkeit Spitzensport, Uschi Greth-Zubke als Lehrwartin, Diana Hettinger als Schriftführerin, Jochen Eidel als Beisitzer für besondere Aufgaben und Friedrich Thorwarth als Kassenprüfer in ihren Ämtern bestätigt. Das bisher vakante Amt der Vizepräsidentin Freizeit- und Gesundheitssport konnte mit Gudrun Kerl neu besetzt werden. In ihrer kurzen Vorstellung zeigte sie eine beeindruckende Karriere in den Verbänden bis hin zu Aufgaben beim Deutschen Turnerbund auf.
Bereits im Hauptausschuss gewählt und durch den Turntag noch zu bestätigen waren Irmgard Wappler als stellvertretende Turnwartin Kinder, Liane Dreher als Kampfrichterwartin Kunstturnen, Jana Böhringer als Kampfrichterwartin Rope Skipping, Dr. Friedrich Bullinger als Fachwart Wandern und Kultur, Rosemarie Spitzley als Betreuerin der Gauehrenriege, Kurt Bauer als FAG Vorsitzender Musikzug, Wolfgang Baumgartner als FAG Vorsitzender Turnspiele und Stefan Habicht als Beisitzer der Vereine. Den FAG Vorsitz Kunstturnen weiblich schließlich teilet sich künftig ein Dreierteam.
Vizepräsident Thomas Melzer stellte eine erneute Satzungsänderung vor. Die war nötig geworden, nachdem bei der letzten Satzungsänderung durch das Registergericht bei Formalitäten noch Optimierungspotenzial gesehen wurde. Die Änderung wurde einstimmig angenommen.
Abschließend warb Rainer Striffler vom Ehrungsausschuss darum, die Vereine mögen doch ihren ehrenamtlich tätigen Mitglieder ehren. Das sei eine Möglichkeit, ihnen Anerkennung für die geleistete Arbeit zukommen zu lassen und helfe eventuell dabei, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, wenn diese sähen, dass der Einsatz gewürdigt werde. Damit endete dann die insgesamt zügig verlaufende Versammlung.